Tobiasbruderschaft Göttingen



Die sieben Werke der Barmherzigkeit

Im Gleichnis vom großen Weltgericht (Matthäus 25) nennt Jesus, was  am Jüngsten Tage vor dem Richtstuhl Gottes zählt: Hungrige speisen, Durstige tränken, Gäste beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen und Gefangene besuchen, Das sind die 6 Werke der Barmherzigkeit. 

Der Kirchenvater Laktanz fügte im 3. Jahrhundert als siebtes Werk der Barmherzigkeit die Bestattung der Toten hinzu.



Tobias

Biblischer Beleg war dem Kirchenvater das Verhalten des Tobit (lat.: Tobias) in Ninive.

Unsere Bruderschaft ist benannt nach einem Mann, von dem das Buch Tobias  erzählt, zwischen Altem und Neuem Testament stehend, unter den sog. Apokryphen, „der Heiligen Schrift  nicht gleich gehalten, und doch gut und nützlich zu lesen“ – so urteilte Martin Luther. Und sagte zum Buch Tobias: „Ist’s eine Geschichte (sprich: im historischen Sinn), so ist’s eine feine heilige Geschichte; ist’s aber ein Gedicht (sprich: eine erdichtete Geschichte), so ist’s wahrlich auch ein recht schön, heilsam, nützlich Gedicht und Spiel eines geistlichen Poeten, eine feine, liebliche, gottselige Komödie“.

Lesung aus dem Buch Tobias im 1. und 2. Kapitel

1,1 Es war ein Mann mit Namen Tobias aus dem Stamme Naftali. (...) 2 Der wurde mit in die Gefangenschaft geführt zur Zeit Salmanassars, des Königs von Assyrien; und obwohl er dort [in Ninive] unter Fremden leben musste, ist er dennoch von Gottes Wort nicht abgefallen. 3 Darum teilte er alles, was er hatte, Tag für Tag mit seinen gefangenen Brüdern und Verwandten. (...)

18 Lange danach aber, nach dem Tod des Königs Salmanassar, als sein Sohn Sanherib regierte, dem die Israeliten verhasst waren,
19 ging Tobias bei allen Israeliten umher und tröstete sie und gab ihnen von seinem Vermögen, soviel er konnte: 20 die Hungrigen speiste er, die Nackten kleidete er, die Toten und Erschlagenen begrub er.

21 Dann aber kam König Sanherib (...) und ließ viele Israeliten töten.
Da war es Tobias, der sie begrub. 22 Als aber der König das erfuhr, befahl er, ihn zu töten, und nahm ihm all sein Hab und Gut.
23 Tobias aber floh mit seinem Sohn und seiner Frau und konnte sich, völlig mittellos, verborgen halten, weil viele ihn liebten und ihm halfen. 24 Aber nach fünfundvierzig Tagen wurde der König von seinen eignen Söhnen erschlagen, 25 und Tobias kam wieder heim, und sein ganzes Vermögen wurde ihm wiedergegeben.

2,1 Als Tobias an einem Fest des Herrn in seinem Hause ein herrliches Mahl bereitet hatte, sagte er zu seinem Sohn:
Geh und lade einige gottesfürchtige Männer aus unserm Stamme ein, mit uns zu essen! 2 Und als [d]er wieder heimkam, sagte er seinem Vater, einer der Israeliten liege erschlagen auf der Gasse.

3 Da stand Tobias sogleich vom Tisch auf, ließ das Essen stehen, ging zu dem Toten, hob ihn auf und trug ihn unbemerkt in sein Haus, um ihn nachts heimlich zu begraben. 4 Und nachdem er die Leiche versteckt hatte, aß er sein Brot voll Trauer und Entsetzen. (...)
7 Und in der Nacht ging er hin und begrub den Toten.

8 Alle seine Freunde aber schalten ihn und sprachen: Erst neulich wollte dich der König aus demselben Grunde töten lassen, und du bist seinem Mordbefehl kaum entkommen; und doch begräbst du schon wieder die Toten!

9 Tobias aber fürchtete Gott mehr als den König und holte weiterhin die Erschlagenen weg und verbarg sie in seinem Hause, bis er sie tief in der Nacht begraben konnte.